Neue Mitbewohner!

Nein, keine vierte Katze – auch wenn der Kater momentan täglich das Rohmaterial zum Bau der Viertkatze verliert. Nein, auch kein Kind – um Himmels Willen, Tante sein ist völlig ausreichend. Unsere neuen Mitbewohner sind fünfhundert Würmer. Ja, ihr habt richtig gelesen: Würmer, genauer gesagt Kompostwürmer, in einer Kiste, die ich eigenhändig zusammengebaut habe. Denn die Sache mit dem Biomüll, die ist mir schon schwer im Magen gelegen …

Seit ich einen Garten auf dem Dach habe, habe ich viel darüber nachgedacht, was ich mit Gartenabfällen wie herausgegeizten Zweigen und abgestorbenen Pflanzen machen soll. Bei einem „normalen“ Garten ein absoluter No-Brainer, bei einem urbanen Garten schon auch eine logistische Herausforderung. Vor allem, da ich nicht ständig zur Biomülltonne rennen will – die gibt es hier in der Stadt nämlich nur alle paar Häuserblocks mal an einem zentralen Sammelplatz (in meinem Fall 500m entfernt, und das in der ganz falschen Richtung, nicht dass ich unterwegs zur Straßenbahn oder zum Supermarkt sowieso daran vorbeikommen würde). Um ganz ehrlich zu sein: die Faulheit triumphiert dann doch über das schlechte Gewissen, denn ich möchte nicht für jede Handvoll Karottenschalen und jedes abgefallene Blatt extra irgendwohin latschen müssen, und bis in einem 1-2-Personen-Haushalt ein voller Kübel Biomüll zusammengekommen ist, sind schon längst  Fruchtfliegen und Verwesungsgeruch da. So ist das bisschen Biomüll einfach im Restmüll gelandet. Suboptimal.

Also habe ich angefangen, über alternative Möglichkeiten zu recherchieren. Auf einem amerikanischen Gartenblog habe ich zum ersten Mal über vermiculture gelesen, und nachdem ich den initialen Ekel überwunden habe (weil wäääh Würmer und Krabbelzeug – sorry not sorry, ich bin halt ein Stadtkind!) fand ich das Konzept richtig interessant. Durch Zufall habe ich dann von wurmkiste.at erfahren, einem oberösterreichischen Start-Up – das war mir gleich sympathischer als ein Plastikkübel von Amazon, auch wenn es wesentlich teurer ist. Nachhaltigkeit hat eben ihren Preis.

wurmkiste2
Der Bausatz: Ein paar Bretter, ein Polster, ein Gitter, ein Backblech … gar nicht sooo kompliziert.

Vergangene Woche fand der Workshop im wirklich putzigen Innenhof des Atelier Wohnwagon statt, zufälligerweise gleich bei mir um’s Eck. Im Preis von 160€ ist alles notwendige Material für den Kistenbau und die Würmer enthalten, außerdem fachkundige Anleitung und eine kleine Jause. Gedauert hat der Spaß von 15:30 bis 22:00 Uhr.

wurmkiste6
Endspurt: Kisten zusammenschrauben

Ich war mir ursprünglich nicht ganz sicher, ob ich es auch hinkriegen würde, denn ich bin wirklich keine Bastlerin und meine Erfahrung in Sachen Handwerken beschränkt sich im Großen und Ganzen auf das Zusammenschrauben von Ikeakastln und das Aufhängen von Bildern. Zum Glück war die Gruppe sehr hilfsbereit, denn der Workshop baut weitestgehend auf Selbstständigkeit, und gänzlich ohne Vorkenntnisse was Fachvokabeln und Werkzeug angeht wäre ich komplett aufgeschmissen gewesen.

wurmkiste4
Ich und die Bohrmaschine. Luftlöcher für die Würmer.

Wider Erwarten war der schwierigste Teil nicht das Bohren – und das, obwohl im Schein einer Taschenlampe gebohrt wurde, weil der Workshop bis in die Abendstunden ging und es im Außenbereich des Ateliers keine Beleuchtung gibt! -, sondern das Tapezieren des Sitzpolsters mit Stoff (die Wurmkiste ist nämlich gleichzeitig ein Sitzhocker auf Rollen). „Na geh, das bissl Tackern …“ dachte ich – aber denkste!

wurmkiste1
Tackern ist ein Arschloch.

Dass es momentan eher kühl und regnerisch ist, kommt mir zugute, denn ich konnte die Kiste auf den Balkon stellen (ab 30° Grad Außentemperatur bekommt das den Würmern nicht mehr gut). Das Ding stinkt nämlich ganz fürchterlich bestialisch – nicht nach Kompost und Moder, was ich befürchtet hatte, sondern nach „naturbelassenem“ Holz und Biowachsglasur. Für mich ist dieser Geruch ein Kindheitstrauma-Trigger, wovon ich sofort heftig Kopfschmerzen und Brechreiz bekomme. Ich hoffe, dass das bald verfliegt, sonst habe ich nämlich ein Problem …

wurmkiste5
Work in Progress

Drei Tage nach Einzug der Wurmkiste gab’s erstmals „Fressen“ für die Würmer – Zucchiniblätter, Gemüseschalen und Kaffeesud. In drei Monaten kann erstmals Kompost „geerntet“ werden. Ich bin gespannt!

wurmkiste8
Kiste fertig – fehlen nur noch Erde und Würmer!
Advertisements

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. AnDi sagt:

    Krass! Das ist ja klasse! 😀 😀 Glückwunsch! Und die Idee an sich ist nicht von schlechten Eltern!

    Eine Hälfte von uns geht am Freitag in einer Woche auch wieder zu einem Workshop! Das Ergebnis wird aber ein wenig kleiner dieses mal: ein Insektenhotel! Bei uns wird von Bauhaus in unregelmäßigen Abständen speziell für Frauen so ein Programm gemacht. Nennt sich womans night. Musst mal gucken, vielleicht wird sowas ja auch in Wien angeboten. Und wenn nicht: schlag das doch mal einem Baumarkt vor.

    LG
    AnDi

    Gefällt 1 Person

  2. pflanzwas sagt:

    Tolle Sache, sowas fände ich auch klasse, traue mich aber nicht, so eine Kiste auf dem Balkon zu installieren (Geruch ? Anderes Viechzeuch ??) – Aber es scheint ja zu funktionieren. Nur frage ich mich: wirds bei dir auf dem Balkon keine 30 Grad heiß im Sommer ? Was machst du dann mit den Würmern ?? Auf jeden Fall viel Erfolg und wenn du in den nächsten Monaten positives zu berichten hast, werde ich noch mal in mich gehen 😉

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s